Erfahrungsaustausch Explosivstoff-Industrie 2026

Phosgen, Sarin, Taurin, Lost, Clark…wer hat diese Namen nicht schon einmal gehört? Es handelt sich um chemische Kampfstoffe, die insbesondere im ersten und zweiten Weltkrieg eingesetzt wurden. Der Einsatz erfolgte meist als Artillerie- oder Handgranaten und diese stellen bis heute eine gefährliche Altlast dar und lassen sich auch noch weiterhin im Inland finden. Diese Relikte zweier Weltkriege werden dann auf dem Gelände der „Gesellschaft zur Entsorgung von chemischen Kampfstoffen und Rüstungsaltlasten“ (GEKA) in Munster von derzeit ca. 170 Spezialisten fachkundig und umweltgerecht vernichtet. Die Vernichtung chemischer Kampfstoffe ist ein hochkomplexer, gefährlicher und streng regulierter Prozess. Er wird weltweit durch das Chemiewaffenübereinkommen (CWÜ) und die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OVCW) überwacht.

Der vom Sachgebiet „Explosionsgefährliche Stoffe“ organisierte Erfahrungsaustausch „Explosivstoff-Industrie“ wurde am 30.09 und 01.10.2026 in Soltau bzw. in Munster durchgeführt. Am ersten Veranstaltungstag. nutzten 60 Expertinnen und Experten die Gelegenheit, sich intensiv über aktuelle Themen und Unfälle auszutauschen. Ein Schwerpunkt war die Geschichte und Gegenwart des Truppenübungsplatzes in Munster sowie die Räumstelle Dethlinger Teich. Der Dethlinger Teich im Landkreis Heidekreis in Niedersachsen ist derzeit Deutschlands größte Räumstelle für chemische Kampfmittel und Munitionsaltlasten aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs und der Nachkriegszeit.

Am 2. Tag der Veranstaltung konnten sich die Teilnehmenden auf dem Werksgelände der Geka ein Bild von dem Umgang und der Entsorgung sowohl von konventioneller Munition als auch von chemischen Kampfstoffen machen. Neben den komplexen technischen Abläufen bei der Vernichtung (u.a. Röntgen der Fundgranaten sowie Delaborierung und Verbrennung derselben) wurde insbesondere der Schutz der Mitarbeitenden intensiv betrachtet und diskutiert (z. B. Kontrolle durch Messgeräte, der Einsatz und Umgang mit Schutzanzügen sowie die Durchführung von Dekontaminationen der Anlagen und Räume). Dazu wurden von Maik Röding und seinem Team 3 Stationen vorbereitet, an denen die Teilnehmenden anschaulich über die unterschiedlichen Prozesse und Schutzmaßnahmen informiert wurden. Die Teilnehmenden waren sehr interessiert und es ergaben sich viele Diskussionen. Beeindruckt von den hohen Sicherheitsstandards konnten sich die Teilnehmenden anschließend mit vielen Impressionen und Informationen wieder auf dem Heimweg machen.