Kommunikation, Kooperation: Fehlerkultur

Praxisbeispiel

In einem Großkonzern wurde vor einigen Jahren ein Arbeitsschutz-Management-System (AMS) installiert. Damals fanden Workshops mit den Führungskräften statt, in welchen griffige „Leitlinien“ für die Organisation formuliert wurden. Eine davon betrifft die Fehlerkultur und lautet „Wir gehen mit Fehlern offen und wertschätzend um. Statt andere zu beschuldigen, versuchen wir gemeinsam aus den Fehlern zu lernen, die Hintergründe zu verstehen, und gute Lösungen abzuleiten.“ In einem aktuellen Austausch zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung wird jedoch deutlich, dass viele Beschäftigte sich nicht trauen, auf Fehler hinzuweisen, weil sie regelmäßig mit negativen Reaktionen ihrer direkten Vorgesetzten rechnen müssen und darunter dann wiederum ihre weitere Zusammenarbeit leidet. Die Beschäftigen fühlen sich von den „Slogans“, wie sie die Leitlinien nennen, mittlerweile eher verhöhnt.


Mögliche Gefährdungen

Werden Fehler aus Angst vor negativen Reaktionen der Führungskraft nicht gemeldet, kann keine gute Prävention von Arbeitsunfällen stattfinden. Zusätzlich kann der Widerspruch zwischen der Selbstdarstellung der Organisation und der erlebten Realität auf Dauer für Beschäftigte als negativ belastend erlebt werden.


Schutzziele

Die Kommunikation und Kooperation sind gut gestaltet, wenn Mitarbeitende Fehler und Beinahe-Fehler offen thematisieren können, ihre Vorschläge zur Behebung oder Verhinderung solcher Fehler gehört werden, und gemeinsam Maßnahmen abgeleitet werden. Fehlerkultur sollte als kontinuierlicher, wesentlicher Bestandteil der Führungskultur betrachtet und erlebt werden.


Beispielhafte Maßnahmen

In der Reihenfolge S-T-O-P soll geprüft werden, ob es passende Maßnahmen zum Schutz vor einer Gefährdung gibt.

Substitution

  • In diesem Beispiel wurden keine substituierenden Maßnahmen getroffen.

Technische Maßnahmen

  • Es wird ein (anonymes) Fehlermeldesystem eingerichtet (z.B. per App, Webseite, E-Mail, Telefon, physischer Briefkasten), über das Beschäftigte Fehler und Beinahe-Fehler melden und auch Ideen zur Fehlerbehebung nennen können.

Organisatorische Maßnahmen

  • Das Fehlermeldesystem wird von Personen koordiniert, denen die Beschäftigten vertrauen (z.B. Sicherheitsbeauftragte).
  • Wenn Beschäftigte sich trauen, Fehler und Beinahe-Fehler zu melden, erhalten sie hierfür positives Feedback und die Information, dass sich nun die zuständigen Fachbereiche darum kümmern.
  • Es wird regelmäßig (z.B. per Aushang, Newsletter, Website oder App) über gemeldete Fehler und deren Behebungstand berichtet (ohne Nennung einzelner Beschäftigter).
  • In Teambesprechungen werden regelmäßig „Lessons learned“ und damit einhergehende Erkenntnisse für Verbesserungen thematisiert

Personenbezogene Maßnahmen

  • Wiederkehrende Führungskräfte-Workshops, bei denen die Bedeutung des AMS und die Verantwortung im Arbeitsschutz geklärt wird.
  • Führungskräfte werden für das Thema Fehlerkultur sensibilisiert.
  • Workshops für Teams zur wertschätzenden Kommunikation und zum konstruktiven Umgang mit Fehlern.